Ratgeber Bipolare Störung
Informationen für Betroffene und Interessierte
Bipolare Störungen: Diagnose
Bipolare Störungen werden oft nicht korrekt diagnostiziert, da die Symptome teilweise nicht erkannt oder falsch gedeutet werden. Häufig gehen Betroffene erst in ärztliche Behandlung, wenn sie sich in der depressiven Phase befinden, sodass oft zunächst nur eine Depression diagnostiziert wird. Dabei werden die manischen Phasen nicht erwähnt, da sie von den Betroffenen selbst nicht als krankhaft gedeutet werden. Die Diagnose kann nur durch ein ausführliches Gespräch mit den Betroffenen und evtl. auch mit Angehörigen erfolgen, bei dem bestimmte Symptome und Krankheitsanzeichen analysiert werden. Dafür wird das Leben der Betroffenen genauestens untersucht. Es werden z. B. Stimmungsschwankungen, die in der Vergangenheit aufgetreten sind oder die sich jahreszeitlich ändern, analysiert. Außerdem wird nach familiäreren Erkrankungen gefragt, da bipolare Störungen auch genetisch bedingt sein können.
Bestimme Kriterien-Kataloge, sog. Klassifikationssysteme (z. B. ICD-10 Kapitel V(F), Internationale Klassifikation psychischer Störungen), dienen dabei als Hilfestellung, anhand welcher typische Krankheitsanzeichen erfasst und ausgewertet werden. Zu unterscheiden sind die Bipolar-1- und die Bipolar-2-Störung. Bei der Bipolar-1-Störung gibt es zwischen der depressiven und manischen Phase auch eine „normale“ Phase. Dagegen treten eine lange und schwere Depression und eine kurze Phase gehobener Stimmung (Hypomanie) bei der Bipolar-2-Störung auf. Symptome, die während einer manischen Phase auftreten, sind u. a. eine ständig gehobene, überschwängliche oder gereizte Stimmung, erhöhter Antrieb und Rededrang sowie ein vermindertes Schlafbedürfnis. Dagegen äußern sich die Symptome bei einer depressiven Phase u. a. durch Kraftlosigkeit, Schlafstörungen, Antriebs- und Interesselosigkeit, vermindertes Selbstvertrauen, Mutlosigkeit bis hin zu Selbstmordgedanken.
Eine frühzeitige Diagnosestellung ist sehr wichtig, um das Risiko für Selbstmordversuche, Drogen- und Medikamentenmissbrauch sowie schwere Partnerkonflikte und Probleme am Arbeitsplatz zu vermeiden bzw. zu verringern.
Die Symptome können jedoch auch auf eine organische Erkrankung zurückzuführen sein. Ähnliche Symptome wie bei bipolaren Störungen können beispielsweise auch bei Hirntumoren, Epilepsie, Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenerkrankungen, Cushing-Syndrom, HIV, Drogen- oder Medikamentensucht, Migräne, Multiple Sklerose, Schlaganfall, Demenz, Parkinson, Morbus Addison, SLE (Systemischer Lupus erythematodes) beobachtet werden. Auch andere psychische Erkrankungen, wie psychotische Störungen und Schizophrenie, unipolare Depressionen und Persönlichkeitsstörungen, müssen berücksichtigt und ausgeschlossen werden.
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